Predigt von Anton Frank am 23.09.2007 - 25. Sonntag im Lesejahr C
Lesung: Amos 8, 4-7 und 1 Timotheus 2, 1-8 Evangelium: Lukas 16, 1-13
An das Gleichnis des Evangeliums möchte ich anschließen mit einer anderen Gleichnisrede. Die geht so:
Ein Perlensucher suchte überall auf der Welt nach der kostbarsten Perle. Eines Tages, er weiß selbst nicht wie, findet er diese herrliche
Perle, kostbarer, als er es sich in den kühnsten Träumen hätte ausmalen können. Als er sie erblickt, wird er traurig, denn es wird ihm klar,
dass er sie nie besitzen kann; dazu hat er nicht genug Geld. Der Besitzer der Perle erkennt seine Trauer und sagt: "Du kannst diese Perle
haben." - "Aber ich kann sie doch niemals bezahlen." "Du brauchst mir nur das zu geben, was du hast. Wenn du viel hast, musst du mir viel
geben, wenn du nur wenig hast, brauchst du mir nur wenig zu geben. Was hast du?" "Oh, ich habe nicht viel, ich weiß nicht genau. Da sind
vielleicht zehntausend auf dem Konto. Das, was man so in Reserve hat." - "Nun gut", sagte der Perlenbesitzer, "dann gehört das jetzt mir.
Hast du noch etwas?" - "Ja, noch etwas Bargeld in der Brieftasche. Was man so mit sich führt, damit man sich bewegen kann." - "Gut, dann
gehört mir das jetzt auch. Hast du noch etwas?" - "Ich wüsste nicht, was ich noch hätte." – „Ja, aber wo wohnst du denn?" - "Ach, ich wohne
natürlich in unserem Haus." - "Ein Haus hast du? Dann gehört das jetzt mir." - "Ja, sollen wir denn in unserem Wochenendhäuschen wohnen?" -
"Also ein Wochenendhaus hast du auch noch? Nun gut, das gehört mir natürlich auch." - Ja, aber wo sollen wir dann schlafen? Sollen wir
vielleicht in unseren Wohnwagen ziehen?" - "Ach, einen Wohnwagen und ein Auto hast du auch?" - "Ja, aber kein besonders großes..." "Dann
gehört mir das jetzt auch.“
Dann stehe ich ja mit meiner Frau und den Kindern auf der Straße." - "Die gehören mir auch!" - "Dann bin ich ja ganz allein!" - "Du
gehörst mir jetzt auch. Ich gebe dir diese Perle, aber höre gut zu: Ich erlaube dir, dass du in dem Haus, das dir vorher gehört hat und jetzt
mir gehört, weiter wohnen darfst. Aber vergiss nicht, dass es mein Haus ist, du bist nur der Verwalter dieses Hauses. Du darfst auch mit
deiner Familie weiter zusammenwohnen, aber vergiss nicht, sie gehört nicht dir. Lebe jetzt nach meinen Regeln mit deiner Frau und deinen
Kindern zusammen. Selbst das Wochenendhaus und das Auto und das, was du in der Brieftasche hast, alles das gebe ich dir zur Verwaltung. Wenn
ich dann eines Tages jemanden schicke, der in Not ist, dann gibt es keine Diskussion darüber, ob du sie aufnimmst oder nicht, denn es ist ja
mein Geld und mein Haus." Diese Sinngeschichte gibt uns etwas von der Einstellung Jesu zum Eigentum wieder.
Die erste Leitlinie für den Umgang mit Einkommen und Besitz lautet für ihn: Betrachtet euch vor Gott nicht als Eigentümer eures Einkommens,
eurer Habe und eures Einflusses, sondern als Verwalter. Denn so sehr es ein Recht auf Privateigentum gibt vor Gott ist kein Mensch
Eigentümer und Herr, der mit den irdischen Gütern machen kann, was er will; vor ihm ist jeder nur Verwalter. Letztlich sind ja unser Leben
und unsere Fähigkeiten, Einkommen zu erwerben, ein Geschenk des Schöpfers. Wir dürfen dieses Geschenk herzhaft genießen, sind ihm aber auch
für einen guten, sozialen Gebrauch verantwortlich. Als zweite Leitlinie formuliert Jesus:
"Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht."
Ungerecht ist der Mammon nicht nur deswegen, weil er ungleich, eben ungerecht, verteilt ist, sondern auch weil das Kapital uns am Lebensende
im Stich lässt und nichts mehr hilft. Jesus will nun sagen: Aus allem Kapital gleich, ob es sich um menschliche Fähigkeiten oder Besitz
oder Einkommen handelt kann man etwas Gutes von zeitlosem Wert machen. Dafür will er werben und greift sogar zu dem gewagten Vergleich mit
dem korrupten Verwalter, der sich durch das Herabsetzen von Schulden Freunde erwerben will. Wohlgemerkt: Jesus lobt nicht die
Gewissenlosigkeit des Verwalters, sondern seine kluge Zukunftsvorsorge. Man kann den unehrlichen Verwalter auch verteidigen, indem man darauf
hinweist, dass er berechtigt war, für seine Arbeit ein gewisses Entgelt zu verlangen. Darauf verzichtet er. Er setzt dem Berg von
Ungerechtigkeiten seinerseits also nicht noch ein größeres Schurkenstück als Krönung auf, sondern erkennt seine soziale Verantwortung und
mindert die Schulden um den Betrag, der ihm zusteht.
Die Botschaft Jesu also lautet: Mit dem gottgefälligen Gebrauch von Geld und Gut macht ihr euch Gott zum Freund und geht ein in sein
Reich. Wir sollten uns dies allerdings nicht so vorstellen, als könnten wir mit Geld Gottes Freundschaft erkaufen oder als wolle uns Jesus
mit dem ewigen Gericht drohen und erpressen. Solches Lohn- und Einschüchterungsdenken entspricht nicht seiner Absicht. Vielmehr will er
zeigen, wie wir dann, wenn wir unsere Güter im Sinne Gottes verwalten, etwas Bleibendes schaffen und Gott nahe kommen, der ja das Wohl aller
will, gerade auch der Schwachen. Aus diesem Anstoß hat sich die Tradition des christlichen Almosengebens entwickelt. Durch Jahrhunderte
hindurch galt es als christliche Pflicht, dass die Begüterten die Armen durch freiwillige Spenden unterstützen. Wie könnte das für uns heute
aussehen, die wir doch in einem Sozialstaat leben?
Gerechterweise können wir uns zugute halten, dass uns der Sozialstaat durch Steuern und Abgaben bereits zum Teilen nötigt; Die
Kirchensteuer gehört zwar nicht dazu, ist aber doch auch eine Hilfeleistung, die wir uns gutschreiben dürfen. Trotzdem werden wir uns auch
immer wieder fragen müssen, was wir darüber hinaus von den uns anvertrauten Mitteln für andere verwenden können und sollen.
Als Anregung dazu drei Fragen. Ich könnte mich einmal fragen:
1. Welche notleidenden Einzelpersonen oder Gruppen, die ich kenne, kann ich und will ich unterstützen durch Spenden, durch Güter, durch
Gespräch und Beratung? Wem könnte ich wieder einmal eine Freude machen?
2. Welche Hilfswerke will ich unterstützen? Sind die Spendengelder, die in die großen Aktionen Adveniat, Misereor, Brot für die Welt und
Renovabis fließen, nicht eine wertbeständige Anlage und Investition in die Zukunft für die Unterstützten wie auch für uns? Freilich gibt
es neben diesen viele andere Hilfswerke, die Unterstützung verdienen.
3. Wo lassen es meine Belastbarkeit und meine Zeit zu, dass ich mich für eine gute Sache ehrenamtlich einsetze? In Deutschland sind in den
beiden Kirchen schätzungsweise fünf Millionen Menschen ehrenamtlich tätig: das ist ein beeindruckendes Engagement.
Solche Fragen nach dem uns möglichen Einsatz für andere und der richtigen Verwaltung unserer Mittel muss jede und jeder ganz persönlich
bedenken. Vergessen wir dabei nicht: Jesus will uns kein schlechtes Gewissen machen, wenn wir ehrlich unseren Lebensunterhalt verdienen und
dabei mehr zusammenkommt, als andere haben. Aber daraus erwächst uns auch eine soziale Verantwortung. Jesus hat selber auf Gastmählern
gefeiert; aber er hat eben auch Kranken geholfen.
Er wäre wahrscheinlich mit einer Idee sehr einverstanden gewesen, die eine pfiffige Ordensschwester einmal bei der Caritassammlung während
des Oktoberfestes in München hatte: sie stellte sich an eine Stelle, an der viele Besucher zur Festwiese strömten. Ihnen hielt sie ihre
Sammelbüchse hin und sagte augenzwinkernd: "Geben Sie eine Maß in die Büchse und eine Maß in die Kehle." Ich denke, das ist eine gute
Aufteilung: "Genieße, was du hast, und teile es mit Bedürftigen." |