14. Januar 2007 - Fest zur Errichtung der Seelsorgeeinheit
2. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr C Predigt von Pfr. Anton Frank
Lesungen: Jesaja 62,1-5 und 1 Korintherbrief 12, 4-11 Evangelium: Johannes 2, 1-11 Liebe Schwestern und Brüder,
Als wir an die Vorbereitung des heutigen Richtfestes gingen, haben wir die Lesungstexte vom Tag angeschaut, und siehe da, sie passten
ausgezeichnet. Nicht nur äußerlich, weil im Evangelium etwa auch von einem Fest die Rede ist. Auch inhaltlich: von den verschiedenen
Charismen hören wir, die alle aus einer Wurzel kommen und dem einen Aufbau der Gemeinde dienen. Und die Wirklichkeit, wie das Leben nun
einmal ist, begegnet uns in den Texten, so dass das Fest beinahe ins Wasser zu fallen droht.
Wenn wir unsere Situation: drei Kirchengemeinden – eine Seelsorgeeinheit wie eine Folie einmal gegen das Licht des Evangeliums halten, was
ist da zu erkennen? Zunächst einmal wird nüchtern eine Notsituation erkennbar: nicht genügend Pfarrer, um alle Gemeinden mit einem eigenen
Priester zu versehen. Die Entscheidung über die Verteilung kann natürlich nur aus einem größeren Überblick gefällt werden, der die
vorhandenen personellen Ressourcen mit der Anzahl der zu versehenden Stellen in der Diözese in Übereinstimmung bringt. Diese Entscheidung
wurde vor einiger Zeit gefällt. So war klar, Rheinfelden, Warmbach und Nollingen werden zusammengefasst zu einer Seelsorgeeinheit. Daraufhin
haben wir noch zu Zeiten, als Pfr. Gassmann hier war, der Vernunft folgend, angefangen, mehr und mehr die Pastoral in den drei Gemeinden auf
einander abzustimmen und zu koordinieren. Das gemeinsame Pfarrblatt ist so ein Produkt aus dieser Zeit. Nachdem Klarheit in den
Pfarrgemeinderäten über die Form der Kooperation bestand, wurde die Vereinbarung von in den Räten beschlossen und besiegelt und dem Herrn
Erzbischof Zollitsch vorgelegt. Er hat unserer Bitte entsprochen und mit Urkunde vom 8. Okt. 2006 die Seelsorgeeinheit Rheinfelden errichtet.
Wozu der Kopf ja gesagt hat, dazu muss nun auch das Herz Gelegenheit haben, ja zu sagen. Auch hier hat sich schon einiges bewegt, wofür
wir dankbar sein dürfen. Das Pastoralteam in seinen einzelnen Mitgliedern ist schon längst auf dem ganzen Gebiet der Seelsorgeeinheit im
Einsatz und wir haben erfreulicherweise Verstärkung bekommen durch Pastoralass. Matthias Wössner. Es gibt die Zusammenarbeit mit
Ehrenamtlichen aus allen Gemeinden an verschiedenen Punkten: z. B. in der Kommunion- und Firmkatechese. Es gibt den gegenseitigen Besuch von
Gottesdiensten und Veranstaltungen. Es gibt Gruppierungen, die gemeinsame Aktionen unternehmen wie z. B. die Chöre. Die Grenzen der Pfarreien
sind dadurch für manche fließend geworden. Es gibt den Respekt und die Achtung vor den Besonderheiten der einzelnen Gemeinden und
Wertschätzung und Anerkennung des Engagements in den anderen Gemeinden.
Halten wir die Folie noch einmal gegen das Licht und nehmen wir im besonderen die Festgesellschaft einmal in den Blick. Bei einer Hochzeit
kommen ja auch Menschen zusammen, die sich vorher nicht oder wenig kannten: Da gibt es die, welche sich schnell anfreunden mit der Gegenseite
und entdecken, dass es dort prächtige Leute gibt, die angenehm sind und Überzeugendes leisten und mit denen man gerne zusammenkommt und was
unternimmt. Da gibt es auch die, die etwas unsicher und gehemmt in ihren Reihen sitzen bleiben und erst mal abwarten, wie sich alles
entwickelt. Da gibt es auch die Kritischen, die bei der ersten Störung, die irgendwann kommen muss, verlauten lassen: das haben wir schon
immer gewusst, mit denen da kann es nicht gut gehen. Jetzt müssen wir schauen, dass unsere Interessen nicht zu kurz kommen. Solches und
Ähnliches wird uns vielleicht in den Sinn kommen. Aber auch stabilisierende Stimmen hören wir, etwa die: der Kurs ist richtig, wir müssen auf
dem eingeschlagenen Weg weiter gehen und schauen, dass wir es eben noch besser machen. Es ist noch viel zu leisten an gegenseitigem
Kennenlernen und Zusammenwachsen. Durch Rückschläge und Peinlichkeiten lassen wir uns nicht entmutigen.
So könnten wir auf dem Hintergrund des Kana-Festes unsere Situation uns ein wenig vor Augen halten, und haben dabei noch nicht einmal das
Besondere des Evangeliums angesprochen. Womit beginnt denn die Not im Evangelium sich zu wenden? - Da gibt es Menschen wie die Mutter Jesu,
die vorausspürt, was nicht stimmt und diskret Jesus um Hilfe angeht: Sie haben keinen Wein mehr. Sie weiß, jetzt ist Vertrauen angesagt, denn
aus dieser Verlegenheit kann die Festgemeinschaft sich nicht selbst retten. Es muss Menschen geben, die uns an unsere Grenzen erinnern und
den Blick öffnen nach oben, und die andere ermuntern, dem Hören recht zu geben, selbst wenn es einer Zumutung gleichkommt. Wasser sollen sie
holen und die leeren Krüge füllen. Und so kommt es, dass die Diener, die guten Geister des Hauses, springen und füllen bis zum Rand. Das
scheinbar Minderwertige, das was vorhanden und greifbar ist, in einer freigebigen Geste gegeben, wird auf einmal zu einer wunderbaren Gabe,
wird verwandelt in ein kraftvolles Element. Der Evangelist Johannes lässt natürlich durchblicken, dass das beinahe von niemandem bemerkte
Zeichen in einem größeren Zusammenhang steht. Es fängt schon damit an, dass die Hochzeit am dritten Tag stattfand. Unsere Perikopenauswahl
hat das elegant unterschlagen. Aber Sie können es nachlesen im 2. Kapitel des Johannesevangeliums. Es steht dort wirklich: am 3. Tag fand in
Kana in Galiläa eine Hochzeit statt. Man fragt sich: An welchem dritten Tag? Was ging voran? Voran ging die Berufung und die Sammlung der
ersten Jünger. Die Sammlung des Gottesvolkes ist gleichsam eine Voraussetzung der Wunder, die dann geschehen. Die Evangelien lassen auch
weitere Deutungen zu: Am dritten Tag erstand Christus vom Tod, am dritten Tag erschien er den ersten Jüngern, am dritten Tag fingen sie an zu
verstehen, dass nun sie gefragt waren, dass es nun an ihnen und ihrer Einmütigkeit hing, die Geburtsstunde des Neuen, der Erfüllung, der
Erlösung zu bezeugen. In unserem Evangelium sagt Jesus: "Meine Stunde ist noch nicht gekommen." Gekommen war sie beim letzten Mahl mit den
Jüngern. Gekommen war sie, als die geflohenen, verängstigten Jünger sich neu zusammenfanden, als sie einsahen und bekannten, dass von ihnen
her nichts mehr gekommen wäre. An diesem Nullpunkt, da ihnen wirklich "der Wein ausgegangen war und alle Hoffnung und Begeisterung", geschah
eine wunderbare Wandlung: sie wurden bereit, ohne Murren "Wasserkrüge zu schleppen und zu füllen", zu tun, was "er ihnen gesagt hatte".
Als der große Kirchenlehrer Hieronymus in Bethlehem dabei war, die lateinische Bibelübersetzung zu schreiben, unterhielt er sich mit einem
Gast über die Erzählung von der Hochzeit zu Kana. "Ich kann das nicht glauben", sagte der Gast zu den sechs verwandelten Wasserkrügen, "das
ist ja eine Unmenge Wein!" Da antwortete Hieronymus nachdenklich: "Du hast recht, und wir trinken heute noch davon!"
»Von dem Wein trinken wir heute noch.« Das macht nachdenklich und gibt uns einen Hinweis, dass der Evangelist Johannes nicht einfach
erzählt, wie Jesus liebenswürdigerweise einem Hochzeitspaar aus der Patsche geholfen und einer trinkfesten Gesellschaft ein Riesenvergnügen
verschafft hat. Er deutet auf etwas Hintergründiges. Wir haben noch den Satz im Ohr: „Dies tat Jesus in Kana in Galiläa. Es war der Anfang
seiner Zeichen.“ Was bedeuten die Zeichen? Sie zeigen an, dass mit Jesus etwas Neues begonnen hat: Eine große Verwandlung. Leere Krüge werden
gefüllt. Nicht mehr mit dem Wasser für die kultische Reinigung, sondern mit dem geistvollen Element, das eine Fülle von Leben und Beziehung
verspricht. Wir erinnern uns, dass das Alte Testament Gottes Verhältnis zu seinem Volk als Bund beschreibt, als Ehebund, den Israel
zwar immer wieder bricht, indem es anderen Göttern nachläuft, während Gott in unbegreiflicher Treue zu seinem Volk steht. Er umwirbt es wie
ein Liebender. Zuletzt kommt er selbst in seinem Sohn. Er gibt auch dann nicht auf, wenn Menschen ihn hinauszerren und ans Kreuz hängen. Am
Karfreitag ist Jesu »Stunde« gekommen, »Seine Stunde“, von der er in Kana redet, die Stunde der »Liebe bis zum Äußersten«. In dieser Stunde
wurde der Neue Bund besiegelt. Seitdem trinken wir den Wein der Verwandlung. Liebe Schwestern und Brüder,
Mit uns leben viele Menschen, denen fraglich ist, ob es für ihr Verlangen nach Freude eine Erfüllung gibt. Vielen ist es schwer geworden,
zusammenzufinden zur sonntäglichen Feier unseres Glaubens, und eine belastbare Hoffnung am Leben zu halten. An Wochenenden werden wohl viele
Feten gefeiert; aber wirkliches Feiern geht wohl nicht unter der Anstrengung, dass wir selbst alles ganz gut machen müssen, sondern nur unter
der Zusage Gottes, dass von ihm her alles gut wird. Es ist ein Geschenk, wenn wir Menschen begegnet sind, an deren Glaube unser Glaube sich
entzünden konnte. Es ist ein Geschenk, wenn wir zu Glaubensgemeinschaften zusammenfinden, die feiern, dass Gott in Jesus begonnen hat unser
Verlangen nach Leben zu erfüllen. Sicher: Wir erlangen auch hier an unserem Feiertag der Woche noch nicht die Fülle. Aber wir empfangen einen
Vorgeschmack. Im Zeichen wird Gegenwart, wie sehr Gott die Welt liebt: er gibt seinen Sohn. Und im Zeichen bekommen wir schon hier und heute
Anteil an dem größeren Leben. In einem Lied von Wilhelm Willms heißt es: Sie haben keinen Wein mehr, die Krüge ihres Lebens sind leer. Die
Freiheit ist verspielt, unser Mut ist gekühlt, unser Glaube zerronnen, unsere Liebe verglommen, unsere Güte verbraucht, unserer Hoffnung
verraucht, wir haben keinen Wein mehr, die Krüge sind leer, wir sind am Ende, wer bringt die Wende? Und dann heißt es: und sie füllten die
Krüge bis zum Rand, sie füllten sie voll mit Tränen, mit Verzweiflung, mit Hoffnung, mit Sehnsucht, sie füllten die Krüge mit Wasser voll bis
zum Rand. Das Brautpaar hat es gut gemacht. Sie haben Jesus eingeladen. Damit ist die Wende gekommen. Die leeren Krüge sind nicht das
Schlechteste. Sie lassen uns ausschauen. Wenn wir dann Jesus einladen, dann kann sein Wort, sein Leben, sein Evangelium auf fruchtbaren Boden
fallen auch in unserer SE. In volle Hände und Herzen kann auch Gott nicht schenken. Jesus wendet unseren Blick auf das alltäglich Vorhandene
hin. Er lädt uns ein, mit bereitem Herzen zu geben, was da ist, nicht geizig sparsam, sondern randvoll. Da beginnt das Blatt sich zu wenden.
So fällt das Fest unseres Lebens doch nicht ins Wasser. Es muss ja kein Fest sein, bei dem sich die Bänke biegen über der Maßlosigkeit eines
unersättlichen Hungers, vielmehr ein Fest, wo die tröstliche Wahrheit in unseren Gesprächen einen Platz hat, wo das Geschenk gegenseitiger
Annahme und des Respekts voreinander uns das Herz erwärmt, ein Fest, wo Freude über gelungene Begegnungen mit anderen spürbar wird, ein Fest,
wo man die leeren Hände gefüllt bekommt durch die Fülle an gutem Willen und die Bereitschaft Arbeit zu teilen, ein Fest das zustande kommt
durch die Summe des Wenigen, das ein jeder beisteuert, und das doch anwächst zu erstaunlicher Größe. |